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PZL 104 Wilga  80         Flugerlebnisbericht

Ulf Reichmann Bueckeburg

Wer  des Öfteren sich dem Schleppfliegen mal gewidmet hat und oder bei verschiedenen Clubs oder auf Treffen zu Gast war, wird zwangsläufig mit einer Wilga konfrontiert worden sein.

Was ist dran an dem Mythos Wilga ?    

                 Was zeichnet diesen Schlepper so aus ?

Ich möchte Euch mal meinen eigenen Erlebnisbericht zu diesem faszinierenden Modell als kleine Zeitreise hier näher vorstellen. Er mag den eingefleischten WilgaPiloten ein genugtuendes Lächeln hervorrufen, den bisher nicht Wilgakennern und Interessenten ggf. sogar Lust auf mehr machen.

Die Wilga, im Original ein polnisches Mehrzweckflug der staatlichen polnischen Luftfahrtwerke, genannt Paristowe Zaklady Lotnicze (PZL) erlebte bereits 1962 seinen Erstflug. In der Urversion wurden ca. 800 Exemplare gebaut und vor allem im F-Schlepp und zum Absetzen von Fallschirmspringern eingesetzt. Auf der Faszination Bueckeburg konnte ich erstmals auch mit dermanntragenden Version mitfliegen als Copilot, aber leider nur in passiver Rolle. Dennoch ein faszinierendes Erlebnis, danke Heiko Baumgärtner für diese Umsetzung bei den Freunden vom Aeroclub Frankenhausen. Das Original ist ebenso wie das Modell eine imposante Erscheinung.

Christoph Wilga

Mein Wiedereinstieg in die Schleppfliegerei begann 2004 mit einer kleinen Voll-GFK Wilga, deren Lebensdauer eigentlich schon vorbei war, sie war schrecklich „abgenutzt“, dennoch konnte ich in knapp 25 Flugstunden solide Übungsstunden damit erfliegen. Im gleichen Jahr entdeckte ich dann in Ebay meinen lang ersehnten Traum. Eine Wilga im Maßstab 1:4, und zwar aus der Manufaktur von Alex Frisch, in gutem gebrauchten Zustand. Man vereinbarte eine Übergabe beim Segler-Acro-Cup in Lauterbach und der damalige Verkäufer hiess Marc Zimmer. Es war ein freier Trainingstag und Marc flog mir das Modell vor, beim Eindrehen zur Landung dachte ich, das Modell wird nicht mehr landen, so langsam wie Marc die Wilga flog, wird gleich der Strömungsabriss folgen. Ein solches Flugkönnen hatte ich bis dato nicht gesehen, er erzählte mir in aller Ruhe seine Flugmanöver und ich registrierte erst Stunden später, das dieses Modell ebenso perfekt flog wie geflogen wurde. Als ich dann daheim ca. 3 Monate später mich zum Erstflug traute und mein altes Schätzchen ebenso verkauft hatte, kam die Stunde der Wahrheit. Was soll ich sagen, sie flog traumhaft, einzig mein Flugkönnen unterschied sich nun noch vom Vorfliegen damals in Lauterbach. Aber Marc gab mir wertvolle Tipps und das manuelle Steuern von Seite und Quer wurde zu meiner Fleissaufgabe.

wilga Christ

Fortan besuchte ich auch Treffen und lernte schliesslich viele Feunde in der Szene kennen, mitunter auch  Alex und Ulf und so wuchs der Wunsch nach einer Wilga im Maßstab 1:3,5, im Fachjargon auch mittlere Wilga genannt. Im eigenen Verein wuchsen die Seglerdimensionen und meine kleine Wilga im Maßstab 1:4 war dann in Sachen Motorleistung an ihre Grenzen angelangt. Nach ca. 35 Flugstunden in meinen Händen ging sie schliesslich weit weg nach Schweden. Ich habe damals gestaunt und dachte nach der Internetauktion, oh je, Schweden, dass wird wohl nie einer persönlich abholen.

Ich irrte, nach einer Tagesreise kamen zwei nette Fliegerkollegen aus Schweden und bestätigten wohl auch die These, für ein solches Modell lohnt sich jede noch so weite Anfahrt …

Es wurde Herbst 2005 und meine Bestellung konnte für eine „mittlere“ Wilga beginnen, bedingt durch meine 6Tage Arbeitswoche entschloss ich mich, das Bauprojekt in die Hände von Rolf Heckers zu geben, einem Bauprofi, der für Alex mitunter Kundenmodelle fertigstellt. So konnte ich mich ganz in der knappen Freizeit dem Design widmen und wählte das Weltkugellogo meines Arbeitgebers aus. Die so entstandene „Creditreform-Wilga“ holte ich in den Faschingstagen 2006 ab und der Erstflug konnte schon im März 2006 beginnen bei traumhaften Wetterbedingungen.

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Nach üblichen Reitweitentests konnte es endlich losgehen, ich schob das Gas herein und war begeistert von der sprichwörtlichen „Leichtigkeit des Seins“ bei diesem Modell. ImVergleich zur kleineren Wilga liegt sie noch satter in der Luft, schnurrt wie ein Kätzchen durch die Luft und nur der Pilot entscheidet, welche Aufgabe die Wilga an jenem Tag erledigen soll. Das Fliegen mit manuellem Seitenrudereinsatz lässt das Modell traumhaft in die Kurvenpassagen legen, dazu mit entgegengesetzem Querruder gestützt kann der erste Schlepp beginnen. Zuvor ging es noch die Mischung des Tiefenruders auf die Klappeneinsatz zu testen. 10% waren eingestellt und mussten lediglich auf 11% korrigiert werden. Ein allgemeiner Wert, der oft vom subjektiven Empfinden des Piloten abhängt. Das Landen der Wilga mit Klappen bedarf wie alles im Leben einer gewissen Übung. Weniger ist mehr gilt auch hier, denn die Klappen wirken in voll ausgefahrenem Zustand tatsächlich enorm, soll heissen, die Fahrt geht dann heraus und wer dann erst überlegt, was mache ich als nächstes, wenn die Fahrt ausbleibt, der hat schon aufgesetzt. Das Fahrwerk verzeiht sicher manches, aber dennoch sollte zu Beginn eine moderate Klappenstellung gewählt werden. Schliesslich schleppt man als Neuling auch nicht direkt einen 20kg Acrosegler. Ich selbst habe dies über einen Schiebekanal am Sendergehäuse gelöst. So kann ich selbst variieren, je nach Windstärke und weiteren äusseren Bedingungen.

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Der Start …

ist unkompliziert, die Wilga hebt ihr Heck und nach ggf. kleiner Spurkorrektur duch Seitenrudereinsatz geht es in den Himmel, die Kraft reicht auch bei einem 100ccm Motor allemal aus, das Modell auch mit Schleppsegler dahinter nach ca. 50-60 Metern abheben zu lassen. Überhaupt ist das Flugverhalten enorm eigenstabil, oft brechen andere Schlepper zu allen Seiten gerne weg und wollen auf Kurs gehalten werden, bei der Wilga kann man sich sogar auf den Segler optisch einstellen, soll heissen, auch ein Blick zum geschleppten Modell ist erlaubt. Die Wilga schleppt wie auf Schienen, auch Kurvenpassagen gelingen ohne Probleme, oft hängen sich andere Schlepper dabei gerne auf, man muss unendlich Tiefenruder geben, bei der Wilga nicht. Zugegeben, die meisten ErstWilgapiloten haben schon Schlepperfahrung zuvor gesammelt, aber dennoch rechnet man nicht mit einer solchen unkomplizierten Flugweise des Modells.

Das Abtauchen …

ist die Paradedisziplin, nach links oder rechts weg, ähnlich einem Taucher, der von Bord springt, stellt man die Wilga auf die Nase, sie wird im Standgas in der Tat nicht oder kaum wahrnehmbar schneller.

Unglaublich, aber wahr, 500 Meter Höhe sind in wenigen Sekunden abgebaut und die Landung kann beginnen. Für mich seinerzeit wie auch heute noch faszinierend, wie dann die Wilga mit voll gesetzten Klappen ihre letzte Fahrt rausnimmt und sauber auf das Fahrwerk ausrollt. Wo andere Schleppmaschinen zum Rückfahren zur Startstelle ansetzen, genügt der Wilga aufgrund der kurzen Landestrecke ein kleiner Gasstoss, die Landestrecke ist oftmals kürzer als der Abstand zum Schleppsegler.

Wilga Ulf Reichmann Aspirin

Ob beim Schleppen oder beim Soloflug die Wilga versteht zu faszinieren, es ist das langsame Flugbild, was in dieser Form kaum ein Modell schafft. Die Entwicklungsphase ist längst abgeschlossen, was soll man an diesem Modell verbessern, einzig den Wunsch, an jedem Platz einen solchen Schlepper anzutreffen.

Bei meinem ganzen Lob und Fluglernphasen blieb auch meinem Vereins- und Teamkollegen Holger nicht verborgen, dass dieser Schlepper wohl einiges zu bieten hat und so wurde auch er infiziert, ein solches Projekt in Angriff zu nehmen. Im Februar 2008 holten wir gemeinsam den Bausatz ab und Holger war besessen, dieses Projekt in kürzester Zeit fertigzustellen. Einen ausführlichen Baubericht hierzu findet Ihr auf unserer Seite unter „Bauberichte „ Wilga.

Das fertige Modell konnte sich wahrlich sehen lassen, im Vergleich zu meiner vom Bauprofi erstellten Wilga vermochte ich keine qualtitativen Unterschiede erkennen, wirklich sehr gute Arbeit traf dann eines Tages auf dem Flugplatz ein. Natürlich überliess Holger zuvor nichts dem Zufall, alle Werte meiner Wilga wurden x-mal abgeglichen, seine Flugsimulator rauchte schon von weitem aus dem Fenster und die Simulatorwilga war wohl reif für das Museum. Aber – ganz ehrlich, vom Start weg bis zur Landung gab es rein gar nichts zu meckern, er hatte die Wilga im Griff, als wäre es der x´te Flug.

Wilga3

Holger´s Wilga ist mit einem 100er King ausgerüstet im Gegensatz zu meiner Creditreform-Wilga mit dem 140er King, der Gewichtsunterschied von gut 2 kg ist im Flugbetrieb schon zu merken. Beim Landen fiel mir ein leichteres Handling mit der kleineren Motorisierung auf, auch der Abfangbogen bei der Landung ist homogener, natürlich sind die Gleiteigenschaften ein wenig besser. Das ganze Paket ist  demzufolge auch einsteigerfreundlicher. Es soll nicht heissen, eine stärker motorisiere Wilga fliegt wesentlich anspruchsvoller, nein, lediglich die Eingewöhnungsphase mag etwas länger dauern.

So wagte er sich am ersten Tag schon direkt an den Schlepp meines Puchasz, immerhin fast 15kg schwer und der Schlepp verlief ebenso erfolgreich wie der Soloflug. Ein Spiegelbild seines Flugkönnens einerseits, jedoch auch ein Attribut der Stärke dieses Modells.

Perfekte Landung Holger Thoennes

Unkompliziertes Handling in allen Fluglagen, das wünscht sich jeder Schleppflieger und wenn aus dem Wunsch, eine Wilga sein Eigen zu nennen, Wirklichkeit wird, dann ist man stolz und zufrieden.

Wilga6

Nähere Infos zu den Wilga´s unter http://frisch.flugmodellbau.de

Na, wann kaufst Du eine Wilga

 

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